Art. 8 MWSTG 2010

Ort der Dienstleistung


Gesetzestext (Wortlaut gemäss Art. 8 MWSTG 2010)

Ort der Dienstleistung
  1. Als Ort der Dienstleistung gilt unter Vorbehalt von Absatz 2 der Ort, an dem der Empfänger oder die Empfängerin der Dienstleistung den Sitz der wirtschaftlichen Tätigkeit oder eine Betriebsstätte hat, für welche die Dienstleistung erbracht wird, oder in Ermangelung eines solchen Sitzes oder einer solchen Betriebsstätte der Wohnort oder der Ort seines oder ihres üblichen Aufenthaltes.

  2. Als Ort der nachfolgend aufgeführten Dienstleistungen gilt:
    1. bei Dienstleistungen von Reisebüros und Organisatoren von Veranstaltungen: der Ort, an dem die dienstleistende Person den Sitz der wirtschaftlichen Tätigkeit oder eine Betriebsstätte hat, oder in Ermangelung eines solchen Sitzes oder einer solchen Betriebsstätte der Wohnort oder der Ort, von dem aus sie tätig wird;
    2. bei Dienstleistungen, die typischerweise unmittelbar gegenüber physisch anwesenden natürlichen Personen erbracht werden, auch wenn sie ausnahmsweise aus der Ferne erbracht werden: der Ort, an dem die dienstleistende Person den Sitz der wirtschaftlichen Tätigkeit oder eine Betriebsstätte hat, oder in Ermangelung eines solchen Sitzes oder einer solchen Betriebsstätte der Wohnort oder der Ort, von dem aus sie tätig wird; als solche Dienstleistungen gelten namentlich: Heilbehandlungen, Therapien, Pflegeleistungen, Körperpflege, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Sozialleistungen und Sozialhilfeleistungen sowie Kinder- und Jugendbetreuung;
    3. bei Dienstleistungen auf dem Gebiet der Kultur, der Künste, des Sportes, der Wissenschaft, des Unterrichts, der Unterhaltung oder ähnlichen Leistungen, einschliesslich der Leistungen der jeweiligen Veranstalter und der gegebenenfalls damit zusammenhängenden Leistungen: der Ort, an dem diese Tätigkeiten tatsächlich ausgeübt werden;
    4. bei gastgewerblichen Leistungen: der Ort, an dem die Dienstleistung tatsächlich erbracht wird;
    5. bei Personenbeförderungsleistungen: der Ort, an dem die Beförderung gemessen an der zurückgelegten Strecke tatsächlich stattfindet; der Bundesrat kann bestimmen, dass bei grenzüberschreitenden Beförderungen kurze inländische Strecken als ausländische und kurze ausländische Strecken als inländische Strecken gelten;
    6. bei Dienstleistungen im Zusammenhang mit einem Grundstück: der Ort, an dem das Grundstück gelegen ist; als solche Dienstleistungen gelten namentlich: Vermittlung, Verwaltung, Begutachtung und Schätzung des Grundstückes, Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Erwerb oder der Bestellung von dinglichen Rechten am Grundstück, Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Vorbereitung oder der Koordinierung von Bauleistungen wie Architektur-, Ingenieur- und Bauaufsichtsleistungen, Überwachung von Grundstücken und Gebäuden sowie Beherbergungsleistungen;
    7. bei Dienstleistungen im Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe: der Ort, für den die Dienstleistung bestimmt ist.

 

Bisheriges Recht

Art. 8 MWSTG 2010 kann mit dem bisherigen Art. 14 MWSTG 2001 verglichen werden.
 

Verordnungstext

Art. 5 MWSTV 2010: Betriebsstätte (Art. 7 Abs. 2, 8 und 10 Abs. 3 MWSTG 2010)
  1. Als Betriebsstätte gilt eine feste Geschäftseinrichtung, durch welche die Tätigkeit eines Unternehmens ganz oder teilweise ausgeübt wird.
  2.     
     
  3. Als Betriebsstätten gelten namentlich:
    1. Zweigniederlassungen;
    2. Fabrikationsstätten;
    3. Werkstätten;
    4. Einkaufs- oder Verkaufsstellen;
    5. ständige Vertretungen;
    6. Bergwerke und andere Stätten der Ausbeutung von Bodenschätzen;
    7. Bau-und Montagestellen von mindestens zwölf Monaten Dauer;
    8. land-, weide- oder waldwirtschaftlich genutzte Grundstücke

       
  4. Nicht als Betriebsstätten gelten namentlich:
    1. reine Auslieferungslager;
    2. Beförderungsmittel, die entsprechend ihrem ursprünglichen Zweck eingesetzt werden;
    3. Informations-, Repräsentations-und Werbebüros von Unternehmen, die nur zur Ausübung von entsprechenden Hilfstätigkeiten befugt sind.

Art. 5a MWSTV 2010: Schiffsverkehr auf dem Bodensee, dem Untersee und dem Rhein bis zur Schweizer Grenze unterhalb Basel (Art. 8 Abs. 2 Bst. e MWSTG)

Die Beförderung von Personen mit Schiffen auf dem Bodensee, dem Untersee sowie dem Rhein zwischen dem Untersee und der Schweizer Grenze unterhalb Basel gilt als im Ausland erbracht.

 

Gesetzesmaterialien (Botschaft und parlamentarische Beratung zu Art. 8 MWSTG 2010)

 

Rechtsprechung

 

Praxis der ESTV zu Art. 8 MWSTG 2010

 
Links zur MWST-Info 06 Ort der Leistungserbringung (Teil III Dienstleistungen) (für offizielle Version bitte auf Link klicken)
 
Links zur MWST-Branchen-Info 04 Baugewerbe (für offizielle Version bitte auf Link klicken)

Inhalt

  1. 1 Steuer- und Abrechnungspflicht von Personengesellschaften
  2. 2 Steuerobjekt (Art. 18 - 23 MWSTG)
    1. 2.1 Beispiele von steuerbaren Lieferungen (betreffend Ort der Lieferung; → Ziff. 3)
    2. 2.2 Beispiele von steuerbaren Dienstleistungen (betreffend Ort der Dienstleistung; → Ziff. 4)
    3. 2.3 Beispiele von Leistungen, die von der Steuer ausgenommen sind (betreffend Option; → Ziff. 9)
  3. 3 Ort der Lieferung (Art. 7 MWSTG)
  4. 4 Ort der Dienstleistung
    1. 4.1 Grundsatz (Art. 8 Abs. 1 MWSTG)
    2. 4.2 Dienstleistungen im Zusammenhang mit Immobilien
      1. 4.2.1 Dienstleistungen, die unter Artikel 8 Absatz 2 Buchstabe f MWSTG fallen
      2. 4.2.2 Dienstleistungen, die unter Artikel 8 Absatz 1 MWSTG fallen (→ Ziff. 4.1)
  5. 5 Steuerbemessungsgrundlage (Art. 3 Bst. f i.V.m. Art. 24 MWSTG)
    1. 5.1 Entgelt, Grundsatz
    2. 5.2 Entgelt für besondere Leistungen oder aus besonderen Vertragsklauseln
    3. 5.3 Entgeltsminderungen
    4. 5.4 Keine Entgeltsminderungen
    5. 5.5 Sicherheitsleistung und Garantierückbehalt
  6. 6 Zeitpunkt der Versteuerung (Art. 40 MWSTG)
  7. 7 Buchführung
  8. 8 Grundstückslieferung - Kriterien betreffend Abgrenzung Werkvertrag / Kaufvertrag; Erstellung von Bauwerken zwecks Vermietung oder Verpachtung (ohne Option); Vorsteuerkorrektur
    1. 8.1 Grundstückslieferung - Kriterien betreffend Abgrenzung Werkvertrag / Kaufvertrag
      1. 8.1.1 Boden gehört dem Bauunternehmer (Generalunternehmer, Investor)
      2. 8.1.2 Boden gehört einem Dritten
      3. 8.1.3 Boden gehört dem „Käufer“
    2. 8.2 Erstellung von Bauwerken zwecks Vermietung oder Verpachtung (ohne Option)
    3. 8.3 Vorsteuerkorrektur bei der Erstellung von Bauwerken für den Verkauf sowie für die Vermietung oder Verpachtung (ohne Option)
  9. 9 Option
  10. 10 Wert des Bodens
  11. 11 Nutzungsänderungen bei Bauwerken
  12. 12 Kantinen / Personalunterkünfte
    1. 12.1 Bauunternehmer als Betreiber
    2. 12.2 Dritte als Betreiber

Erläuterungen zu Art. 5 MWSTV 2010 (Betriebsstätte), welcher Art. 7 Abs. 2 und Art. 8 MWSTG 2010 konkretisiert

Absatz 1 umschreibt die Betriebstätte in generell-abstrakter Weise und nimmt dabei die heute in Ziffer 8 der Wegleitung enthaltene Umschreibung auf. Eine inländische Betriebsstätte eines ausländischen Unternehmens ist wie bisher ein eigenes Steuersubjekt. Das „Single-entity-Prinzip“ kommt nicht zur Anwendung, da dies eine Verlagerung von inländischem Steueraufkommen ins Ausland bewirken würde und umgekehrt.

Absatz 2 enthält eine nicht abschliessende Liste von Betriebstätten, die sich am OECD-Musterabkommen orientiert.

Absatz 3 enthält eine nicht abschliessende Liste, welche nicht als Betriebstätten geltende Einrichtungen aufzählt. 

Ort der Dienstleistung im Bildungsbereich

(Auszug aus der MWST-Brachen-Info "Bildung", Ziff. 3,2)

Die unter Ziffer 1 der MWST-Brachen-Info "Bildung" aufgeführten Bildungsleistungen und die dazugehörigen Nebenleistungen gelten nach Artikel 8 Absatz 2 Buchstabe c MWSTG als an jenem Ort erbracht, wo die Tätigkeit (Bildungsanlass) tatsächlich ausgeübt wird.

Werden im Zusammenhang mit Bildungsleistungen noch andere, selbstständige Leistungen erbracht, richtet sich der Ort der Besteuerung nach der Art der Leistung:

  • Organisationsleistungen Ort, an dem die dienstleistende Person den Sitz ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit hat (Art. 8 Abs. 2 Bst. b MWSTG);
  • Beherbergungsleistungen Ort, an dem die Beherbergungsleistung tatsächlich erbracht wird (Art. 8 Abs. 2 Bst. f MWSTG);
  • Gastgewerbliche Leistungen Ort, an dem die Leistung tatsächlich erbracht wird l(Art. 8 Abs. 2 Bst. d MWSTG).

Links zur MWST-Branchen-Info 18 Rechtsanwälte und Notare (für offizielle Version bitte auf diesen Link klicken)
 

Inhalt

  1. 1 Steuerobjekt
    1. 1.1 Im Inland gegen Entgelt erbrachte Dienstleistungen
    2. 1.2 Abgrenzung der (steuerbaren) Entgelte gegenüber (nicht steuerbaren) Nicht-Entgelten
      1. 1.2.1 Einleitung zu den Nicht-Entgelten
    3. 1.3 Von der Steuer ausgenommene Leistungen
      1. 1.3.1 Leistungen im Bereich der Bildung
      2. 1.3.2 Ausübung von Funktionen der Schiedsgerichtsbarkeit
    4. 1.4 Option für die Versteuerung der von der Steuer ausgenommenen Leistungen
    5. 1.5 Bezugsteuer
  2. 2 Ort der Dienstleistung
    1. 2.1 Empfängerortsprinzip nach Artikel 8 Absatz 1 MWSTG
    2. 2.2 Dienstleistungen nach Artikel 8 Absatz 2 Buchstabe f MWSTG (Ort der gelegenen Sache)
  3. 3 Steuerpflicht
    1. 3.1 Steuersubjekt(e) bei Gemeinschaftskanzleien
    2. 3.2 Individuell steuerpflichtige Anwälte oder Notare mit gemeinsamem Sekretariat; gemeinschaftliche Aufteilung der Infrastrukturkosten von Gemeinschaftskanzleien
    3. 3.3 Unkostengesellschaft als reine Vermittlerin
  4. 4 Vorsteuern und Privatanteile
    1. 4.1 Vorsteuerabzug und Vorsteuerkorrekturen
    2. 4.2 Vorsteuerabzug für Leistungen im Ausland
    3. 4.3 Privatanteile
  5. 5 Bemessungsgrundlage
  6. 6 Rechnungsstellung und Beispiele dazu
  7. 7 Berufsgeheimnis
  8. 8 Buchführung und Saldosteuersätze
    1. 8.1 Buchführung
    2. 8.2 Saldosteuersätze

 

Literatur zu Art. 8 MWSTG 2010

 

Rechtsvergleich (EU MWST Richtlinie 2006/112/EG)

 

Varia zu Art. 8 MWSTG 2010