Art. 32 MWSTG 2010

Einlageentsteuerung 
 

 

 Gesetzestext (Wortlaut gemäss Art. 32 MWSTG 2010) 

 
Einlageentsteuerung 
  1. Treten die Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs nachträglich ein (Einlageentsteuerung), so kann der Vorsteuerabzug in der Abrechnungsperiode vorgenommen werden, in der die Voraussetzungen hierfür eingetreten sind. Die früher nicht in Abzug gebrachte Vorsteuer, einschliesslich ihrer als Eigenverbrauch korrigierten Anteile, kann abgezogen werden.

  2. Wurde der Gegenstand oder die Dienstleistung in der Zeit zwischen dem Empfang der Leistung oder der Einfuhr und dem Eintritt der Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug in Gebrauch genommen, so beschränkt sich die abziehbare Vorsteuer auf den Zeitwert des Gegenstandes oder der Dienstleistung. Zur Ermittlung des Zeitwertes wird der Vorsteuerbetrag linear für jedes abgelaufene Jahr bei beweglichen Gegenständen und bei Dienstleistungen um einen Fünftel, bei unbeweglichen Gegenständen um einen Zwanzigstel reduziert. Die buchmässige Behandlung ist nicht von Bedeutung. Der Bundesrat kann in begründeten Fällen Abweichungen von den Abschreibungsvorschriften festlegen.

  3. Wird ein Gegenstand nur vorübergehend für eine zum Vorsteuerabzug berechtigende unternehmerische Tätigkeit verwendet, so kann der Vorsteuerabzug im Umfang der Steuer, die auf einer einer unabhängigen Drittperson dafür in Rechnung gestellten Miete anfallen würde, geltend gemacht werden.
 

Bisheriges Recht 

Art. 32 MWSTG 2010 kann mit dem bisherigen Art. 42 MWSTG 2001 verglichen werden.

 

Verordnungstext

Art. 72 MWSTV 2010: Grundsätze (Art. 32 MWSTG)
  1. Der Vorsteuerabzug kann auf nicht in Gebrauch genommenen Gegenständen und Dienstleistungen vollumfänglich korrigiert werden.
  2. Der Vorsteuerabzug kann auf in Gebrauch genommenen Gegenständen und Dienstleistungen korrigiert werden, welche im Zeitpunkt des Eintritts der Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs noch vorhanden sind und einen Zeitwert haben. Bei Dienstleistungen in den Bereichen Beratung, Buchführung, Personalbeschaffung, Management und Werbung wird vermutet, dass sie bereits im Zeitpunkt ihres Bezugs verbraucht und nicht mehr vorhanden sind.
  3. Bei selbst hergestellten Gegenständen kann für die Ingebrauchnahme der Infrastruktur ein Pauschalzuschlag von 33 Prozent auf den Vorsteuern auf Material und allfälligen Drittarbeiten bei Halbfabrikaten vorgenommen werden. Vorbehalten bleibt der effektive Nachweis der Vorsteuern, die auf die Ingebrauchnahme der Infrastruktur entfallen.
  4. Treten die Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs nur teilweise ein, so kann die Korrektur nur im Ausmass der nun zum Vorsteuerabzug berechtigenden Nutzung vorgenommen werden.
Art. 73 MWSTV 2010: Ermittlung des Zeitwerts (Art. 32 Abs. 2 MWSTG)
  1. Zu berechnen ist der Zeitwert auf der Grundlage des Anschaffungspreises, bei Immobilien ohne Wert des Bodens, sowie der wertvermehrenden Aufwendungen. Nicht zu berücksichtigen sind die werterhaltenden Aufwendungen. Werterhaltende Aufwendungen sind solche, die lediglich dazu dienen, den Wert eines Gegenstands sowie seine Funktionsfähigkeit zu erhalten, namentlich Service-, Unterhalts-, Betriebs-, Reparatur- und Instandstellungskosten.
  2. Bei der Ermittlung des Zeitwerts von in Gebrauch genommenen Gegenständen und Dienstleistungen ist in der ersten Steuerperiode der Ingebrauchnahme der Wertverlust für die ganze Steuerperiode zu berücksichtigen. In der letzten noch nicht abgelaufenen Steuerperiode ist hingegen keine Abschreibung vorzunehmen, ausser die Nutzungsänderungtritt am letzten Tag der Steuerperiode ein.
Art. 74 MWSTV 2010: Grossrenovationen von Liegenschaften (Art. 32 MWSTG)
Übersteigen die Renovationskosten einer Bauphase insgesamt 5 Prozent des Gebäudeversicherungswerts vor der Renovation, so kann der Vorsteuerabzug um die gesamten Kosten korrigiert werden, unabhängig davon, ob es sich um Kosten für wertvermehrende oder für werterhaltende Aufwendungen handelt.

Art. 165 MWSTV 2010: Einlageentsteuerung (Art. 32 MWSTG)
Die Bestimmungen über die Einlageentsteuerung sind nicht anwendbar bei:
  1. nicht als Entgelt geltenden Mittelflüssen (Art. 18 Abs. 2 MWSTG), die mit Inkrafttreten des neuen Rechts nach Artikel 33 Absatz 1 MWSTG nicht mehr zu einer Kürzung des Vorsteuerabzugs führen [Fassung gemäss Ziff. I der V vom 18. Juni 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2010 (AS 2010 2833)];
  2. im Rahmen des Baueigenverbrauchs nach Artikel 9 Absatz 2 des Mehrwertsteuergesetzes vom 2. September 1999 besteuerten Eigenleistungen [[AS 2000 1300]]. 
 

Gesetzesmaterialien (Botschaft und parlamentarische Beratung zu Art. 32 MWSTG 2010)

siehe: Gesetzesmaterialien zu Art. 32 MWSTG 2010

 

Rechtsprechung

 
 
 

Praxis der ESTV zu Art. 32 MWSTG 2010

 

Erläuterungen zu Art. 165 MWSTV (Einlageentsteuerung), welcher Art. 32 MWSTG konkretisiert

Künftig sind die Vorsteuern nur noch beim Erhalt von Subventionen entsprechend zu kürzen. Erfolgt ein Zufluss anderer nicht als Entgelt geltende Mittel, wie sie in Artikel  18  Absatz  2  MWSTG  exemplarisch  aufgezählt  werden,  bleibt  dies  ohne Einfluss  auf  die  im  unternehmerischen  Bereich  anfallenden  Vorsteuern.  Mittelzuflüsse,  welche  unter  bisherigem  Recht  eine  Vorsteuerkürzung  nach  sich  zogen, künftig jedoch keinen Einfluss mehr auf die Vorsteuern haben werden, berechtigen jedoch  nicht  zur  Vornahme  einer  Einlageentsteuerung.  Artikel  113  Absatz  2 MWSTG 2010  gilt ausschliesslich  in  Bezug  auf  Leistungen,  für  welche  bisher  kein  Anspruch  auf  Vorsteuerabzug  bestand  und  künftig  –  beispielsweise  wegen  einem Verzicht auf die Befreiung von der Steuerpflicht – zum nachträglichen Vorsteuerabzug  berechtigen.  Die  bisherige  Vorsteuerabzugskürzung  beim  Erhalt  von  nicht  als Entgelt geltenden Mittelflüssen erfolgte vollkommen unabhängig von der Steuerbarkeit der damit finanzierten Leistungen. Es findet somit kein Wechsel Vorsteuerbelasteter  Leistungen  von  einem  nichtsteuerbaren  in  einen  steuerbaren  Bereich  statt, weshalb die Bestimmungen über die Einlageentsteuerung keine Anwendung finden können.  Dies  gilt  ebenfalls  für  eigene  Leistungen,  auf  welche  unter  bisherigem Recht  die  Baueigenverbrauchsbesteuerung  Anwendung  gefunden  hat.  Mit  dieser Übergangsbestimmung wird dies explizit in der Verordnung festgehalten.
 
 

Literatur zu Art. 32 MWSTG 2010

 
 
 

 Rechtsvergleich (EU MWST Richtlinie 2006/112/EG)

 
 
 

Varia zu Art. 32 MWSTG 2010