MWST-Info 19 Steuersatzerhöhung

Auszug aus MWST-Info 19 Steuersatzerhöhung per 1. Januar 2011 (für offizielle Version bitte hier auf Link klicken) 

(1) Einleitung

Am 27. September 2009 haben Volk und Stände die Vorlage über die Zusatzfinanzierung der IV angenommen. Die auf sieben Jahre befristete Anhebung der Mehrwertsteuersätze tritt per 1. Januar 2011 in Kraft.
 
Der Übergang von den bisherigen zu den neuen Steuersätzen wird anders geregelt als bei früheren Steuersatzerhöhungen. Er entspricht somit auch nicht der Regelung, wie sie in der Mitteilung Vorinformation an alle steuerpflichtigen Personen betreffend die eventuelle Erhöhung der Mehrwertsteuersätze zugunsten der IV vom Juni 2009 dargestellt wurde.
 
Die vorliegende Information zeigt auf, wie die Mehrwertsteuersatzerhöhung per 1. Januar 2011 umgesetzt wird.
 
Ab dem 1. Januar 2011 ändern die Steuersätze wie folgt:
 
 
Die Erhöhung der Steuersätze bedingt auch eine entsprechende Anpassung der Saldosteuersätze (→ Ziff. 5.2) sowie der Pauschalsteuersätze für das Gemeinwesen und verwandte Bereiche (→ Ziff. 5.3).

(2) Rechnungsstellung

Bei der Steuersatzerhöhung stellen sich für die Zeit vor und nach der Erhöhung eine Reihe von Fragen, vor allem in Bezug auf die Fakturierung an die Vertragspartner und die Abrechnung mit der ESTV. Nachfolgend sind die Grundsätze für einen reibungslosen Ablauf dargelegt.

(2.1) Rechnungsstellung allgemein

Massgebend für den anzuwendenden Steuersatz ist weder das Datum der Rechnungsstellung noch das Datum der Zahlung, sondern der Zeitpunkt respektive der Zeitraum der Leistungserbringung. Wird die Leistung teilweise vor und teilweise nach der Steuersatzerhöhung erbracht, so ist der auf die Zeit nach dem 31. Dezember 2010 entfallende Teil der Leistung zu den neuen Sätzen steuerbar.
 
Für Leistungen, die ab dem 1. Januar 2011 erbracht werden, sind die neuen Steuersätze zu fakturieren. Leistungen, die zu den alten Sätzen steuerbar sind, und Leistungen, die zu den neuen Sätzen steuerbar sind, dürfen in der gleichen Rechnung aufgeführt werden. Das Datum oder der Zeitraum der Leistung muss jedoch aus der Rechnung klar ersichtlich sein. Werden die Leistungen der beiden betroffenen Jahre nicht klar auseinander gehalten, so ist die Gesamtleistung zum neuen Satz steuerbar.
 
Beispiel
Die Möbelhaus AG (Abrechnungsart vereinbart, effektive Abrechnungsmethode) schliesst am 27. November 2010 mit dem Kunden X einen Vertrag über die Lieferung eines Schranks ab. Sie liefert dem Kunden den Schrank am 23. Dezember 2010 nach Hause. Die Rechnungsstellung erfolgt am 12. Januar 2011. Der Kunde bezahlt die Rechnung eine Woche später. Der Zeitpunkt der Leistungserbringung ist der 23. Dezember 2010. Folgerichtig hat die Möbelhaus AG die Leistung noch mit 7,6 % in Rechnung zu stellen und muss die Leistung in der 1. Quartalsabrechnung 2011 gegenüber der ESTV mit dem alten Steuersatz abrechnen.
 
Die vorstehend aufgeführten Grundsätze lassen sich wie folgt grafisch darstellen:
 
 

(2.2) Teilzahlungsgesuche und Situationsetats

Für den Übergang von den alten zu den neuen Steuersätzen ist es wichtig, dass Aufträge, die noch in Arbeit sind, korrekt mit Teilzahlungsgesuchen und Situationsetats abgegrenzt werden.
 
In Teilzahlungsgesuchen und Situationsetats sind die angefangenen Leistungen in Bezug auf Art, Gegenstand, Umfang und Zeitpunkt respektive Zeitraum detailliert aufzuführen.
 
Bei Bauleistungen gilt als Zeitpunkt der Leistung die Arbeitsausführung am Bauwerk oder die Materialverbindung mit demselben (also die Montage, das Versetzen, das Anschlagen usw.), nicht jedoch bereits die Vorfertigung in der Werkstatt.

(2.3) Vorauszahlungen

(2.3.1) Definition

Eine Vorauszahlung liegt vor, wenn im Zeitpunkt der Entstehung der Steuer- forderung noch keine Leistung erbracht worden ist.

(2.3.2) Rechnungsstellung bei Vorauszahlungen

Ist im Zeitpunkt der Vorauszahlung bekannt, dass die Lieferung oder Dienstleistung ganz oder teilweise nach dem 31. Dezember 2010 erbracht wird, so kann in Rechnungen für Vorauszahlungen der auf die Zeit ab dem 1. Januar 2011 entfallende Teil der Leistung bereits zum neuen Satz aufgeführt werden.
 
Beispiel
Ein Transportunternehmen des öffentlichen Verkehrs stellt der Kundin Y am 14. November 2010 wie folgt Rechnung:
 

(2.4) Akontozahlungen

Eine Akontozahlung liegt vor, wenn im Zeitpunkt der Entstehung der Steuerforderung der in Rechnung gestellte Teil der Leistung bereits erbracht wurde. Die Leistung als Ganzes ist aber noch nicht abgeschlossen.
 
Erhaltene Akontozahlungen für bis zum 31. Dezember 2010 erbrachte Leistungen sind zu den alten Sätzen zu versteuern, sofern dafür ein Situationsetat oder eine Teilzahlungsgesuch (→ Ziff. 2.2) erstellt wird.

(2.5) Periodische Leistungen, die teilweise nach der Steuersatzerhöhung erbracht werden

Abonnemente für Zeitungen, Zeitschriften und Beförderungsleistungen (z.B. Halbtax- und Generalabonnemente, Ski-Saisonabonnemente), ferner Service- und Wartungsverträge für Lifte, Haushaltmaschinen, Computersysteme u.dgl. sind in der Regel im Voraus zu bezahlen. Erstreckt sich ein solches Abonnement über den Zeitpunkt der Steuersatzerhöhung hinaus, ist grundsätzlich eine Aufteilung des Entgelts pro rata temporis auf den alten und den neuen Steuersatz vorzunehmen. Der Umsatz aus einem vom 1. September 2010 bis zum 31. August 2011 laufenden Zeitungsabonnement ist also zu einem Drittel zum Satz von 2,4 % und zu zwei Dritteln zum Satz von 2,5 % zu versteuern.

Eine solche Aufteilung ist nicht notwendig, beziehungsweise der gesamte Umsatz wird zum alten Steuersatz abgerechnet, sofern die nachfolgenden Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind:

  • Das Entgelt für die gesamte Leistung wird vollumfänglich bis zum 31. Dezember 2010 in Rechnung gestellt beziehungsweise vereinnahmt;
  • es handelt sich um eine im Voraus bestimmte Anzahl einzelner, nicht periodischer Leistungen und nicht um Leistungen im Rahmen von Dauerschuldverhältnissen wie Abonnemente für Zeitungen und Zeitschriften, General-, Halbtax-, Strecken- und Ski-Saisonabonnemente oder Service und Wartungsverträge;
  • der Leistungserbringer weiss im Zeitpunkt des Verkaufs der Leistung nicht, wann einzelne Bezüge von Leistungen durch den Leistungsempfänger erfolgen.

Beispiele

  • Verkauf von Mehrfahrtenkarten des öffentlichen Verkehrs oder Mehrfacheintritten ins Hallenbad bei denen der Kunde einzelne Fahrten oder Eintritte sowohl vor, als auch ab dem 1. Januar 2011 beziehen kann;
  • Verkauf von Autowaschkarten für die mehrmalige Benützung der Autowasch-Anlage (Lieferung);
  • Verkauf von Antivirenprogrammen auf CD's oder DVD's (inkl. Updates) im Engros- und Detailhandel (Lieferung), wobei der Zeitpunkt der Updates (Dienstleistungen) allein vom Endkunden bei der Installation der Software und der Akzeptierung der Geschäftsbedingungen (Lizenz) oder dem Herunterladen der nachfolgenden Updates bestimmt wird.
  • Verkauf eines Personenwagens vor dem 1. Januar 2011, wobei im Verkaufspreis des Personenwagens der Gegenwert von Serviceleistungen (Lieferungen) als Nebenleistung, welche der Garagist auch nach dem 31. Dezember 2010 erbringen muss, abgegolten ist. Folgendes ist zu beachten: Der jeweilige Gratisservice, welcher der Garagist dem Importeur oder dem Hersteller zu einem späteren Zeitpunkt
    verrechnet, ist zum Steuersatz abzurechnen, der zu diesem Zeitpunkt gilt


(2.6) Entgeltsminderungen/Jahresbonifikationen/Retouren und Rückgängigmachung der Leistung

(2.6.1) Entgeltsminderungen

Entgeltsminderungen (Skonti, Rabatte, Mängelrügen, Verluste) auf Leistungen aus der Zeit vor dem 1. Januar 2011 sind mit den alten Steuersätzen zu korrigieren.
 
Beispiel
Die nach vereinbarten Entgelten und nach der Saldosteuersatzmethode abrechnende Firma Käser GmbH liefert der Kundin Y am 28. Dezember 2010 Baumaterialien. Die Rechnung über 50’000 Franken wird am gleichen Tag ausgestellt. Die Käser GmbH deklariert die 50’000 Franken in der Ab- rechnung für das zweite Halbjahr 2010. Die Kundin macht den Skonto - abzug von 2 % geltend und bezahlt am 5. Januar 2011 den Betrag von 49’000 Franken.
 
Die Käser GmbH bringt die durch den Skontoabzug eingetretene Entgelts- minderung von 1’000 Franken in der Abrechnung für das erste Halb jahr 2011 vollumfänglich unter Ziffer 235 in Abzug. Ausserdem kürzt sie den Umsatz unter Ziffer 320 (alter Saldosteuersatz) um 1’000 Franken.
 
Die nach der effektiven Methode abrechnende Kundin Y muss ihren Vorsteuerabzug entsprechend korrigieren (→ Art. 41 Abs. 2 MWSTG).

(2.6.2) Jahresbonifikationen

Gutschriften für Umsätze (Umsatzbonifikationen und andere Rabatt- vergütungen) aus der Zeit vor dem 1. Januar 2011 müssen zu den im Zeitpunkt oder Zeitraum der Leistungserbringung geltenden Sätzen als Entgeltsminderungen behandelt werden.
 
Beispiel
 
Die durch die Gutschrift eingetretene Entgeltsminderung wird in der entsprechenden Abrechnungsperiode vollumfänglich (bei Deklaration der Nettobeträge: CHF 213’000) unter Ziffer 235 in Abzug gebracht. Der Umsatz unter Ziffer 300 ist um 102’000 Franken und unter Ziffer 301 um 111’000 Franken zu reduzieren.
 
→ Anhang I. MWST-Abrechnungsformular effektiv ab 1. Juli 2010
 
Der nach der effektiven Methode abrechnende Empfänger der Gutschrift muss seinen Vorsteuerabzug um die in der Gutschrift ausgewiesenen Steuer- beträge (CHF 7’752 + CHF 8’880) korrigieren (→ Art. 41 Abs. 2 MWSTG).

(2.6.3) Retouren/Rückgängigmachung der Leistung

Retouren von Gegenständen und Rückgängigmachung von Leistungen müssen zu den im Zeitpunkt oder Zeitraum der Leistungserbringung geltenden Sätzen als Entgeltsminderungen behandelt werden.
 
Beispiel
 
Die durch die Gutschrift eingetretene Entgeltsminderung wird in der entsprechenden Abrechnungsperiode von den zu den alten Sätzen deklarierten Umsätzen in Abzug gebracht.
 
Der nach der effektiven Methode abrechnende Empfänger der Gutschrift muss seinen Vorsteuerabzug um den in der Gutschrift ausgewiesenen Steuerbetrag (CHF 8’360) korrigieren (→ Art. 41 Abs. 2 MWSTG).

(3) Weitere Auswirkungen der Steuersatzerhöhung

(3.1) Hotel- und Gastgewerbe

Massgebend ist der Zeitpunkt der Erbringung der Leistung. Bis zum 31. Dezember 2010 erbrachte Leistungen unterliegen den alten, ab dem 1. Januar 2011 erbrachte Leistungen den neuen Steuersätzen. Das Datum oder der Zeitraum der Leistung muss auf der Rechnung angegeben werden.
  • Die Beherbergung in der Nacht vom 31. Dezember 2010 auf den 1. Januar 2011 ist zu den alten Steuersätzen steuerbar.

  • Pauschalarrangements sind pro rata temporis aufzuteilen, wobei die Be- herbergung in der Nacht vom 31. Dezember 2010 auf den 1. Januar 2011 noch zu den alten Steuersätzen steuerbar ist.
  • Wird für das Pauschalarrangement nur eine Rechnung erstellt, so sind darin die Leistungen des Jahres 2010 und diejenigen des Jahres 2011 klar auseinander zu halten. Ansonsten ist das gesamte Entgelt zu den neuen Sätzen zu versteuern.
Beispiel
Vom Arrangement für Übernachtung mit Frühstück für die Zeit vom 26. Dezember 2010 bis 2. Januar 2011 im Wert von 1’400 Franken sind 1’200 Franken zum Satz von 3,6 % und 200 Franken zum Satz von 3,8 % in Rechnung zu stellen und zu versteuern.
  • Die in der Nacht vom 31. Dezember 2010 auf den 1. Januar 2011 erbrachten Leistungen im Gastgewerbe (z.B. Silvester-Party) sind zu den alten Sätzen steuerbar.

(3.2) Bruttogewinnzuschlag im Detailhandel

Die ESTV gestattet Klein- und Mittelbetrieben des Detailhandels auf schriftlichen Antrag hin, die Aufteilung der Umsätze auf den Normalsatz und den reduzierten Steuersatz anhand eines gewogenen Brutto gewinn- zuschlages vorzunehmen. Dieser muss nur dann neu berechnet werden, wenn er bereits drei Jahre angewendet wurde und deswegen ohnehin neu festzulegen ist.

(3.3) Leistungen von Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerken u. dgl.

Leistungen von Elektrizitäts-, Gas-, Wasserwerken, Fernwärmelieferanten und Betreibern von Abwasserreinigungsanlagen, die bis zum 15. Januar 2011 durch Ablesen ermittelt werden, können vollumfänglich zu den alten Sätzen abgerechnet werden. Dies gilt allerdings nicht, wenn es sich um eine Ablese- periode handelt, die nach dem 31. Dezember 2010 beginnt (z.B. vom 4. Januar bis 14. Januar 2011).
 
Erfolgt die Ablesung ab dem 16. Januar 2011, dann kann in der Rechnung eine Aufteilung pro rata temporis auf alte und neue Steuersätze vor- genommen werden. Wird auf eine Aufteilung verzichtet, ist der gesamte Rechnungsbetrag zum neuen Steuersatz abzurechnen.

(3.4) Miet- und Leasingverträge

Erstreckt sich eine Rate über den 31. Dezember 2010, ist eine Aufteilung pro rata temporis auf alte und neue Steuersätze vorzunehmen.

(3.5) Kommissionsgeschäfte

Beim Kommissionsgeschäft nach Artikel 425 - 439 OR liefert der Kommittent erst dann, wenn der Kommissionär den Gegenstand weitergeliefert oder den Selbsteintritt erklärt hat.
 
Erfolgt die Lieferung oder der Selbsteintritt des Kommissionärs bis zum 31. Dezember 2010, schuldet der Kommittent die Steuer zum alten Satz.

(3.6) Einfuhr von Gegenständen

Die neuen Steuersätze gelten für alle Einfuhren von Gegenständen, bei denen die Einfuhrsteuerschuld am 1. Januar 2011 oder später entsteht.

(3.7) Bezugsteuer

Die bis zum 31. Dezember 2010 bezogenen Leistungen, welche der Bezugsteuer unterliegen, können ungeachtet des Datums der Zahlung oder Rechnung noch zum alten Steuersatz versteuert werden, wenn die Leistung im Jahr 2010 erbracht worden ist. Einzig der Zeitpunkt oder Zeitraum der Leistungserbringung ist massgebend für die Frage des anzuwendenden Steuersatzes.
 
Bei Leistungen, die sich über den Zeitpunkt der Steuersatzerhöhung hinweg erstrecken, kann der auf das Jahr 2010 entfallende Teil nur dann zum alten Satz versteuert werden, wenn der ausländische Leistungserbringer diesen gesondert fakturiert oder separat ausweist. Ansonsten muss die gesamte der Bezugsteuer unterliegende Leistung zum neuen Satz versteuert werden.

(4) Vorsteuerabzug

(4.1) Grundsätze

Die effektiv in Rechnung gestellte Steuer darf in Abzug gebracht werden.
 
Fakturiert der Leistungserbringer - unter Bezugnahme auf die ursprüngliche Rechnung mit falschem Steuersatz - die Steuerdifferenz nach, so kann der Leistungsempfänger hierfür den Vorsteuerabzug vornehmen.
 
Steuerpflichtige Personen, welche die abziehbare Vorsteuer in der Buch- haltung automatisch berechnen, haben speziell darauf zu achten, dass dabei die richtigen Steuersätze angewandt werden.

(4.2) Bezüge von Urprodukten bei nicht steuerpflichtigen Landwirten, Forstwirten, Gärtnern, Viehhändlern und Milchsammelstellen

Bezieht eine steuerpflichtige Person bei nicht steuerpflichtigen Landwirten, Forstwirten, Gärtnern und Viehhändlern Erzeugnisse der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gärtnerei, Vieh oder Milch für Zwecke, die sie zum Vor- steuerabzug berechtigen, kann sie für Bezüge bis zum 31. Dezember 2010 2,4 % und für Bezüge ab dem 1. Januar 2011 2,5 % des ihr in Rechnung gestellten Betrages (100 %) als Vorsteuer abziehen (Art. 28 Abs. 2 MWSTG).

(5) Abrechnung mit der ESTV

Auf den Abrechnungsformularen bis zum 30. Juni 2010 können die Leistungen nur zu den alten Steuersätzen (7,6 %, 3,6 % sowie 2,4 %) deklariert werden. Leistungen, welche also bereits zu den neuen Steuer sätzen (8 %, 3,8 % sowie 2,5 %) fakturiert wurden und abgerechnet werden müssen, sind noch zu den alten Steuersätzen zu deklarieren. Die notwendige Berichtigung auf die neuen Steuersätze hat in der frühestmöglichen Abrechnung ab dem 1. Juli 2010 zu erfolgen.
 
Hierfür kommen ab dem 1. Juli 2010 neue Abrechnungsformulare zur Anwendung, auf welchen im Abschnitt II. Steuerberechnung zusätzliche Felder für die ab 1. Januar 2011 gültigen Steuersätze vorhanden sind.
 
→ Anhang I. und II. Abrechnungsformulare
 
Beispiel
Die Schweizer Verlagshaus AG schliesst am 23. April 2010 mit Hans Muster einen zweijährigen Abonnementsvertrag für eine Tageszeitung zum Preis vom 600 Franken ohne MWST ab. Das Abonnement läuft vom 1. Mai 2010 bis zum 30. April 2012. Die Schweizer Verlagshaus AG (Abrechnungsmethode effektiv, Abrechnungsart vereinbart) muss in der Rechnung an Hans Muster die Leistung pro rata temporis auf den alten und den neuen Steuersatz aufteilen.
 
 
Das Verlagshaus deklariert die 600 Franken in der Abrechnung für das zweite Quartal 2010 zu 2,4 %. In der Abrechnung für das dritte Quartal 2010 muss das Verlagshaus die Steuer auf dem Teil der Leistung, der auf die Zeit nach dem 31. Dezember 2010 entfällt, entsprechend berichtigen.
 
→ Anhang I. MWST-Abrechnungsformular effektiv ab 1. Juli 2010
  • CHF -400 in Ziffer 310 des Abrechnungsformulars;
  • CHF +400 in Ziffer 311 des Abrechnungsformulars.

(5.1) Multiplikatoren

Die Multiplikatoren für die Berechnung der MWST bei Bruttobeträgen (Umsatz inkl. Steuer) ändern sich durch die Steuersatzerhöhung ebenfalls:
 

(5.2) Saldosteuersätze

Die Erhöhung der gesetzlichen Steuersätze bedingt auch eine entsprechende Anpassung der Saldosteuersätze. Die Saldosteuersätze werden so berechnet, dass die Steuerschuld prozentual gleich zunimmt wie bei einer nach der effektiven Methode (Steuer auf dem Umsatz mit Vorsteuerabzug) ab- rechnenden steuerpflichtigen Person. Die mit Saldosteuersätzen abrechnenden steuerpflichtigen Personen sind also bezüglich Erhöhung der Steuerschuld den effektiv abrechnenden gleichgestellt.
 
 
Infolge der Steuersatzerhöhung werden zudem die in Artikel 37 Absatz 1 MWSTG aufgeführten Frankenbeträge entsprechend angehoben.
 
 
Gemäss Artikel 115 Absatz 1 MWSTG gelten bei einer Änderung der Steuersätze die Übergangsbestimmungen sinngemäss. Dies bedeutet, dass per 1. Januar 2011 von den Wahlmöglichkeiten des Gesetzes erneut Gebrauch gemacht werden kann. Auf den 1. Januar 2011 kann somit jede steuerpflichtige Person die Abrechnungsmethode neu wählen, auch wenn die Wartefrist gemäss Artikel 37 Absatz 4 MWSTG noch nicht abgelaufen ist.

(5.3) Pauschalsteuersätze für das Gemeinwesen und verwandte Bereiche

Die Erhöhung der gesetzlichen Steuersätze bedingt auch eine entsprechende Anpassung der Pauschalsteuersätze. Die Pauschalsteuersätze werden so berechnet, dass die Steuerschuld prozentual gleich zunimmt wie bei einer nach der effektiven Methode (Steuer auf dem Umsatz mit Vorsteuerabzug) abrechnenden steuerpflichtigen Person. Die mit Pauschalsteuersätzen abrechnenden steuerpflichtigen Personen sind also bezüglich Erhöhung der Steuerschuld den effektiv abrechnenden gleichgestellt.
 
 
Bei Abrechnung mit einem oder zwei verschiedenen Pauschalsteuersätzen sind im Abrechnungsformular die für die Pauschalsteuersätze vorgesehenen Felder auszufüllen.
 
Bei Abrechnung mit mehr als zwei verschiedenen Pauschalsteuersätzen ist der gewichtete Durchschnitts-Pauschalsteuersatz sowohl mit den alten als auch mit den neuen Pauschalsteuersätzen zu ermitteln.
 
Gemäss Artikel 115 Absatz 1 MWSTG gelten bei einer Änderung der Steuersätze die Übergangsbestimmungen sinngemäss. Dies bedeutet, dass per 1. Januar 2011 von den Wahlmöglichkeiten des Gesetzes erneut Gebrauch gemacht werden kann. Auf den 1. Januar 2011 kann somit jede steuerpflichtige Person die Abrechnungsmethode neu wählen, auch wenn die Wartefrist gemäss Artikel 98 Absatz 2 MWSTV noch nicht abgelaufen ist.

(6) Anhang 

(6.1) Abrechnungsformular effektiv (ab 1. Juli 2010)

 

(6.2) Abrechnungsformular Saldosteuersätze (ab 1. Juli 2010)

 
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