Art. 22 MWSTG 2010

Option für die Versteuerung der von der Steuer ausgenommenen Leistungen 
 

Gesetzestext (Wortlaut gemäss Art. 22 MWSTG 2010)

Option für die Versteuerung der von der Steuer ausgenommenen Leistungen 
  1. Die steuerpflichtige Person kann unter Vorbehalt von Absatz 2 durch offenen Ausweis der Steuer jede von der Steuer ausgenommene Leistung versteuern (Option).

  2. Die Option ist ausgeschlossen für: 

  3. a. Leistungen nach Artikel 21 Absatz 2 Ziffern 18, 19 und 23;
    b. Leistungen nach Artikel 21 Absatz 2 Ziffern 20 und 21, wenn der Gegenstand vom Empfänger oder von der Empfängerin ausschliesslich für private Zwecke genutzt wird.
     

Bisheriges Recht

Art. 22 MWSTG 2010 kann mit dem bisherigen Art. 26 MWSTG 2001 verglichen werden.
 

Verordnungstext

Art. 39 MWSTV 2010: Option für die Versteuerung der von der Steuer ausgenommenen Leistungen (Art. 22 MWSTG)

Kann die steuerpflichtige Person nicht durch offenen Ausweis der Steuer optieren, so kann sie die Ausübung der Option der ESTV auf andere Weise bekannt geben. Eine entsprechende Option ist bereits möglich, wenn noch keine Leistungen erbracht werden. Artikel 22 Absatz 2 MWSTG bleibt vorbehalten. 

 

Gesetzesmaterialien (Botschaft und parlamentarische Beratung zu Art. 22 MWSTV 2010)

Rechtsprechung

Praxis der ESTV zu Art. 22 MWSTG 2010

 

Grundsatz

Auszug aus MWST-Info 04 Steuerobjekt, S. 58; für offizielle Version bitte auf Link klicken


"Grundsatz

 

Die steuerpflichtige Person kann durch offenen Ausweis der Steuer in ihrer Rechnung an den Leistungsempfänger unter Vorbehalt der nachstehend aufgeführten Ausnahmen jede von der Steuer ausgenommene Leistung freiwillig versteuern (Art. 22 Abs. 1 MWSTG).
 
Die Option ist ausgeschlossen für (Art. 22 Abs. 2 MWSTG):
  • Leistungen von Versicherern und Rückversicherern sowie von Versicherungsvertretern und Versicherungsmaklern (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 18 MWSTG);
  • Leistungen im Bereich des Geld- und Kapitalverkehrs (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 19 MWSTG);
  • Leistungen bei Wetten, Lotterien und sonstigen Glücksspielen (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 23 MWSTG);
  • Leistungen im Zusammenhang mit Grundstücken (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 20 und 21 MWSTG), wenn der Empfänger sie ausschliesslich für private Zwecke nutzt."

Voraussetzungen und Merkmale der Option

Auszug aus MWST-Info 04 Steuerobjekt, S. 58 f.; für offizielle Version bitte auf Link klicken 

"Voraussetzungen und Merkmale der Option

 

Wesentliche Merkmale der freiwilligen Versteuerung der von der Steuer ausgenommenen Leistungen:
  • Es ist kein formelles Optionsgesuch notwendig;
  • der offene Ausweis der Steuer in der Rechnung genügt;
  • ob der Leistungsempfänger steuerpflichtig ist oder nicht, spielt keine Rolle;
  • der Vorsteuerabzug kann (anteilsmässig) vorgenommen werden;
  • die steuerpflichtige Person kann für jede einzelne Leistung entscheiden, ob sie die Leistung mit oder ohne Steuer in Rechnung stellen will:
    – Rechnungsstellung ohne MWST: Leistung bleibt von der Steuer ausgenommen (ohne Anrecht auf Vorsteuerabzug);
    – Rechnungsstellung mit MWST: für die Leistung wird optiert (mit Anrecht auf Vorsteuerabzug). 
  • kann die steuerpflichtige Person nicht durch offenen Ausweis der Steuer optieren (weil noch keine Leistungen erbracht werden; z.B. Erstellung einer Liegenschaft zwecks späterer Vermietung mit Option oder Erstellung einer Geschäftsliegenschaft, Start-up-Unternehmen), so kann sie die Ausübung der Option auf andere Weise der ESTV bekannt geben (Korrespondenz mit geeigneten Unterlagen). Artikel 22 Absatz 2 MWSTG bleibt vorbehalten (Art. 39 MWSTV).

! Steuerpflichtige Personen, die mit der Saldosteuersatz- oder Pauschalsteuersatzmethode abrechnen, können nur für die Leistungen nach Artikel 21 Absatz 2 Ziffer 26 MWSTG (Erzeugnisse aus Urproduktion) und Artikel 21 Absatz 2 Ziffer 28 MWSTG (Leistungen innerhalb des gleichen Gemeinwesens) optieren (Art. 77 Abs. 3 und Art. 97 Abs. 3 MWSTV)."

 

Erläuterungen zu Art. 39 MWSTV 2010 (Option für die Versteuerung der von der Steuer ausgenommenen Leistungen), welcher Art. 22 MWSTG 2010 konkretisiert

Artikel 22 Absatz 1 MWSTG 2010 nennt bloss den im Tagesgeschäft wohl häufigsten Fall, wie eine steuerpflichtige Person eine von der Steuer ausgenommene Leistung freiwillig versteuern kann. Werden jedoch noch keine Leistungen erbracht, die mittels offenem Ausweis der Steuer freiwillig versteuert werden könnten, hat die steuerpflichtige Person aber bereits hinsichtlich künftiger, freiwillig zu versteuernder Leistungen Aufwendungen, muss sie trotzdem optieren um somit die Vorsteuern in Abzug bringen können. In der Praxis findet diese Regelung vor allem im Zusammenhang mit der Errichtung von Geschäftsliegenschaften Anwendung und ermöglicht den laufenden Abzug der Vorsteuern auf den Baukosten. Dies entspricht geltender Praxis.  
 

Steuersätze

Auszug aus MWST-Info 04 Steuerobjekt, S. 59; für offizielle Version bitte auf Link klicken 

"Steuersätze

 

Grundsätzlich sind Leistungen, für die optiert wird, zum Normalsatz steuerbar.
Auf die folgenden Leistungen findet der reduzierte Steuersatz Anwendung:
  • Leistungen nach Artikel 21 Absatz 2 Ziffern 14 und 16 MWSTG (Leistungen im Kulturbereich);
  • Leistungen nach Artikel 21 Absatz 2 Ziffer 15 MWSTG (sportliche Anlässe).

→ Weitere Informationen zu diesem Thema können der MWST-Info Steuerbemessung und Steuersätze entnommen werden." 

 

Einlageentsteuerung / Eigenverbrauch

Auszug aus MWST-Info 04 Steuerobjekt, S. 59; für offizielle Version bitte auf Link klicken 

"Einlageentsteuerung / Eigenverbrauch

 

Wer optiert, kann nachträglich im Umfang der Option den Vorsteuerabzug geltend machen (Einlageentsteuerung, Art. 32 MWSTG). Bei Beendigung der Option ist demgegenüber der Vorsteuerabzug zu korrigieren (Eigenverbrauch, Art. 31 MWSTG), da mit der Aufgabe der Option auch die Voraussetzungen zum Vorsteuerabzug wegfallen.
 
→ Weitere Informationen zu diesem Thema können der MWST-Info Nutzungsänderungen entnommen werden."
 

Literatur zu Art. 22 MWSTG 2010

Rechtsvergleich (EU MWST Richtlinie 2006/112/EG)

 

Varia zu Art. 22 MWSTG 2010