Art. 107 MWSTG 2010

Bundesrat 

Gesetzestext (Wortlaut gemäss Art. 107 MWSTG 2010)

Bundesrat  
  1. Der Bundesrat: 

    a. regelt die Entlastung von der Mehrwertsteuer für Begünstigte nach Artikel 2 des Gaststaatgesetzes vom 22. Juni 2007, die von der Steuerpflicht befreit sind; 

    b. bestimmt, unter welchen Voraussetzungen den Abnehmern und Abnehmerinnen mit Wohn- oder Geschäftssitz im Ausland die Steuer auf den an sie im Inland ausgeführten Leistungen sowie auf ihren Einfuhren bei Gewährung des Gegenrechts durch das Land ihres Wohn- oder Geschäftssitzes vergütet werden kann; dabei haben grundsätzlich die gleichen Anforderungen zu gelten, wie sie bei inländischen steuerpflichtigen Personen in Bezug auf den Vorsteuerabzug bestehen.  

  2. Der Bundesrat kann von diesem Gesetz abweichende Bestimmungen über die Besteuerung der Umsätze und der Einfuhr von Münz- und Feingold erlassen.

  3. Der Bundesrat erlässt die Vollzugsvorschriften. 

Bisheriges Recht

Art. 107 MWSTG 2010 kann mit dem bisherigen Art. 90 Abs. 1 und 2 MWSTG 2001 verglichen werden.

Verordnungstext

Münz- und Feingold (Art. 44 und 61 MWSTV 2010)

Art. 44 MWSTV 2010: Steuerbefreite Umsätze von Münz-und Feingold (Art. 107 Abs. 2 MWSTG 2010)
1 Von der Steuer sind befreit die Umsätze von:
a. staatlich geprägten Goldmünzen der Zolltarifnummern 7118.9010 und 9705.00001;
b. Gold zu Anlagezwecken im Mindestfeingehalt von 995 Tausendsteln, in Form von:
  1. gegossenen Barren, versehen mit der Angabe des Feingehalts und dem Stempelzeichen eines anerkannten Prüfer-Schmelzers, oder
  2. gestanzten Plättchen, versehen mit der Angabe des Feingehalts und dem Stempelzeichen eines anerkannten Prüfer-Schmelzers oder einer in der Schweiz registrierten Verantwortlichkeitsmarke;
c. Gold in Form von Granalien im Mindestfeingehalt von 995 Tausendsteln, die von einem anerkannten Prüfer-Schmelzer verpackt und versiegelt wurden;
d. Gold in Rohform oder in Form von Halbzeug, das zur Raffination oder Wiedergewinnung bestimmt ist;
e. Gold in Form von Abfällen und Schrott.
2 Als Gold im Sinn von Absatz 1 Buchstaben d und e gelten auch Legierungen, die zwei oder mehr Gewichtsprozent Gold oder, wenn Platin enthalten ist, mehr Gold als Platin aufweisen.
 
 Art. 61 MWSTV 2010: Vorsteuerabzug bei Münz-und Feingold (Art. 107 Abs. 2 MWSTG 2010)
Die Steuer auf den Lieferungen von Gegenständen und auf den Dienstleistungen, die für Umsätze nach Artikel 44 [MWSTV 2010] und Einfuhren nach Artikel 113 Buchstabe g verwendet werden, kann als Vorsteuer abgezogen werden.  
 
Diplomatische Vertretungen und internationale Organisationen (Art 143 ff. MWSTV 2010)
Organisation Art. 143 MWSTV 2010: Anspruchsberechtigung für die Steuerentlastung (Art. 107 Abs. 1 Bst. a MWSTG 2010)

1 Anspruch auf Entlastung von der Mehrwertsteuer haben institutionelle Begünstigte und begünstigte Personen.

2 Als institutionelle Begünstigte gelten:

a. Begünstigte nach Artikel 2 Absatz 1 GSG, die aufgrund des Völkerrechts, einer mit dem Bundesrat abgeschlossenen Vereinbarung über die Befreiung von den indirekten Steuern oder eines Entscheids des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) nach Artikel 26 Absatz 3 GSG von den indirekten Steuern befreit sind;

b. Begünstigte nach Artikel 2 Absatz 1 GSG mit Sitz im Ausland, sofern sie durch die Gründungsakte, ein Protokoll über die Vorrechte und Immunitäten oder sonstige völkerrechtliche Vereinbarungen von den indirekten Steuern befreit sind.  

3 Als begünstigte Personen gelten:
a. Staatsoberhäupter sowie Regierungschefs und Regierungschefinnen während der tatsächlichen Ausübung einer offiziellen Funktion in der Schweiz sowie die zu ihrer Begleitung berechtigten Personen, die den diplomatischen Status geniessen;
b. diplomatische Vertreter und Vertreterinnen, Konsularbeamte und Konsularbeamtinnen sowie die zu ihrer Begleitung berechtigten Personen, sofern sie in der Schweiz denselben diplomatischen Status wie diese geniessen;
c. hohe Beamte und Beamtinnen von institutionellen Begünstigten nach Absatz 2 Buchstabe a, die in der Schweiz diplomatischen Status geniessen, sowie die zu ihrer Begleitung berechtigten Personen, sofern sie denselben diplomatischen Status geniessen, wenn sie aufgrund einer Vereinbarung zwischen dem Bundesrat oder dem EDA und dem betreffenden institutionellen Begünstigten oder aufgrund eines einseitigen Entscheids des Bundesrates oder des EDA von den indirekten Steuern befreit sind;
d. die Delegierten internationaler Konferenzen, die diplomatischen Status geniessen, wenn die internationale Konferenz, an der sie teilnehmen, in Übereinstimmung mit Absatz 2 Buchstabe a selbst von den indirekten Steuern befreit ist;
e. die ein internationales Mandat ausübenden Persönlichkeiten nach Artikel 2 Absatz 2 Buchstabe b GSG, die in der Schweiz diplomatischen Status geniessen und aufgrund eines Entscheids des Bundesrates von den indirekten Steuern befreit sind, sowie die zu ihrer Begleitung berechtigten Personen, sofern sie denselben diplomatischen Status geniessen.

4 Keinen Anspruch auf Steuerentlastung haben Personen mit Schweizer Bürgerrecht.

5 Die Entlastung von der Mehrwertsteuer wird durch die Steuerbefreiung an der Quelle nach den Artikeln 144 und 145 und ausnahmsweise durch die Rückerstattung nach Artikel 146 bewirkt.

Art. 144 MWSTV 2010: Steuerbefreiung (Art. 107 Abs. 1 Bst. a MWSTG 2010)

1 Von der Steuer befreit sind:
a. die Lieferungen von Gegenständen und die Dienstleistungen im Inland durch steuerpflichtige Personen an institutionelle Begünstigte und begünstigte Personen;
b. der Bezug von Dienstleistungen von Unternehmen mit Sitz im Ausland durch institutionelle Begünstigte und begünstigte Personen.
2 Die Steuerbefreiung gilt nur für Lieferungen und Dienstleistungen:
a. an begünstigte Personen, wenn sie ausschliesslich zum persönlichen Gebrauch bestimmt sind;
b. an institutionelle Begünstigte, wenn sie ausschliesslich zum amtlichen Gebrauch bestimmt sind.

Art. 145 MWSTV 2010: Voraussetzungen für die Steuerbefreiung (Art. 107 Abs. 1 Bst. a MWSTG 2010)

1 Ein institutioneller Begünstigter, der die Steuerbefreiung beanspruchen will, muss vor jedem Bezug von Leistungen auf dem amtlichen Formular bescheinigen, dass die bezogenen Leistungen zum amtlichen Gebrauch bestimmt sind.

2 Eine begünstigte Person, welche die Steuerbefreiung beanspruchen will, muss sich vor jedem Bezug von Leistungen von dem institutionellen Begünstigten, dem sie angehört, auf dem amtlichen Formular bescheinigen lassen, dass sie den Status nach Artikel 143 Absatz 3 geniesst, der sie zum steuerfreien Bezug berechtigt. Die begünstigte Person hat das eigenhändig unterzeichnete amtliche Formular dem Leistungserbringer oder der Leistungserbringerin zu übergeben und sich bei jedem Bezug von Leistungen mit der von der zuständigen eidgenössischen Behörde ausgestellten Legitimationskarte auszuweisen.

3 Die Steuerbefreiung nach Artikel 144 Absatz 1 Buchstabe a kann nur in Anspruch genommen werden, wenn der effektive Bezugspreis der in der Rechnung oder einem gleichwertigen Dokument ausgewiesenen Leistungen insgesamt mindestens 100 Franken einschliesslich Steuer beträgt. Dieser Mindestbetrag gilt nicht für Tele-kommunikations-und elektronische Dienstleistungen nach Artikel 10 sowie für Lieferungen von Wasser in Leitungen, Gas und Elektrizität durch Versorgungsbetriebe.

4 Die Voraussetzungen nach den Absätzen 1–3 für die Beanspruchung einer Steuerbefreiung gelten nicht für Bezüge von Treibstoff, für die der institutionelle Begünstigte oder die begünstigte Person auf Grund der Artikel 26–28 der Mineralölsteuerverordnung vom 20. November 1996, der Artikel 30 und 31 der Verordnung vom 23. August 1989 über Zollvorrechte der diplomatischen Missionen in Bern und der konsularischen Posten in der Schweiz sowie der Artikel 28 und 29 der Verordnung vom 13. November 1985 über Zollvorrechte der internationalen Organisationen, der Staaten in ihren Beziehungen zu diesen Organisationen und der Sondermissionen fremder Staaten die Befreiung von der Mineralölsteuer beanspruchen kann. In diesem Fall muss der Leistungserbringer oder die Leistungserbringerin nachweisen können, dass die EZV die Mineralölsteuer nicht erhoben oder rückvergütet hat.

Art. 146 MWSTV 2010: Steuerrückerstattung (Art. 107 Abs. 1 Bst. a MWSTG 2010)

1 In begründeten Einzelfällen kann die ESTV auf Antrag bereits bezahlte Steuerbeträge, für die ein Anspruch auf Steuerentlastung besteht, zurückerstatten; sie kann dafür, im Einvernehmen mit dem EDA, eine Bearbeitungsgebühr erheben.

2 Für die Steuerrückerstattung gilt Artikel 145 Absatz 3 sinngemäss.

3 Ein institutioneller Begünstigter kann pro Kalenderjahr höchstens zwei Anträge auf Steuerrückerstattung stellen. Er muss dafür das amtliche Formular benutzen.

4 Begünstigte Personen können pro Kalenderjahr höchstens einen Antrag auf Steuerrückerstattung stellen. Die Anträge der begünstigten Personen sind durch die Einrichtung, der sie angehören, zur einmaligen jährlichen Einreichung zusammenzustellen.

5 Die ESTV kann, im Einvernehmen mit dem EDA, einen Mindestrückerstattungsbetrag pro Antrag festsetzen. Auf Rückerstattungsbeträgen wird kein Vergütungszins ausgerichtet.

Art. 147 MWSTV 2010: Aufbewahrungspflicht (Art. 107 Abs. 1 Bst. a MWSTG 2010)

Die steuerpflichtige Person muss die verwendeten amtlichen Formulare im Original zusammen mit den übrigen Belegen vollständig nach Artikel 70 Absatz 2 MWSTG aufbewahren. Bezüglich elektronisch übermittelter und aufbewahrter amtlicher Formulare gelten die Artikel 122–125 sinngemäss.

Art. 148 MWSTV 2010: Vorsteuerabzug (Art. 107 Abs. 1 Bst. a MWSTG 2010)

Die Steuer auf den Lieferungen und den Einfuhren von Gegenständen sowie den Dienstleistungen, die zur Bewirkung von steuerfreien Leistungen an institutionelle Begünstigte und begünstigte Personen verwendet werden, kann als Vorsteuer abgezogen werden.

Art. 149 MWSTV 2010: Steuernachbezug und Widerhandlungen (Art. 107 Abs. 1 Bst. a MWSTG 2010)

1 Sind die Voraussetzungen der Steuerbefreiung nach den Artikeln 144 und 145 nicht gegeben oder entfallen sie nachträglich, so ist in Fällen der Steuerbefreiung nach Artikel 144 Absatz 1 Buchstabe a der institutionelle Begünstigte oder die begünstigte Person verpflichtet, der steuerpflichtigen Person den auf die Steuer entfallenden Betrag zu bezahlen. Wird dieser Betrag nicht bezahlt, so wird er von der steuerpflichtigen Person geschuldet, sofern diese ein Verschulden trifft. Beim Bezug von Dienstleistungen von Unternehmen mit Sitz im Ausland sind die institutionellen Begünstigten und begünstigten Personen verpflichtet, die Steuer nachzuentrichten.

2 Die Bestimmungen der Wiener Übereinkommen vom 18. April 1961 über diplomatische Beziehungen und vom 24. April 1963 über konsularische Beziehungen sowie der Sitzabkommen bleiben vorbehalten.

Art. 150 MWSTV 2010: Freiwillige Versteuerung von ausgenommenen Leistungen (Art. 107 Abs. 1 Bst. a MWSTG 2010)

Die ESTV kann die freiwillige Versteuerung der in Artikel 21 Absatz 2 Ziffern 20 und 21 MWSTG genannten Leistungen, ohne den Wert des Bodens, bewilligen, sofern diese gegenüber institutionellen Begünstigten nach Artikel 143 Absatz 2 Buchstabe a erbracht werden, unabhängig davon, ob der institutionelle Begünstigte im Inland steuerpflichtig ist oder nicht. Diese Option ist beschränkt auf Grundstücke und Grundstücksteile, die administrativen Zwecken dienen, namentlich für Büros, Konferenzsäle, Lager, Parkplätze, oder die ausschliesslich für die Residenz des Chefs oder der Chefin einer diplomatischen Mission, einer ständigen Mission oder anderen Vertretung bei zwischenstaatlichen Organisationen oder eines konsularischen Postens bestimmt sind.

Vergütungsverfahren (Art. 151 ff. MWSTV 2010)

Art. 151 MWSTV 2010: Anspruchsberechtigte (Art. 107 Abs. 1 Bst. b MWSTG 2010)

1 Anspruch auf Vergütung der angefallenen Steuern nach Artikel 28 Absatz 1 Buchstaben a und c MWSTG hat, wer Gegenstände einführt oder sich im Inland Leistungen gegen Entgelt erbringen lässt und zudem:
a. Wohn-, Geschäftssitz oder Betriebstätte im Ausland hat;
b. im Inland nicht steuerpflichtige Person ist;
c. unter Vorbehalt von Absatz 2 im Inland keine Leistungen erbringt; und
d. seine Unternehmereigenschaft im Land des Wohnsitzes, des Geschäftssitzes oder der Betriebstätte gegenüber der ESTV nachweist.
2 Der Anspruch auf Steuervergütung bleibt gewahrt, wenn die Person nur:
a. Beförderungen besorgt, die nach Artikel 23 Absatz 2 Ziffern 5–7 MWSTG von der Steuer befreit sind; oder
b. Dienstleistungen erbringt, die der Bezugsteuer unterliegen.

3 Die Steuervergütung setzt voraus, dass der Staat des Wohn-oder Geschäftssitzes beziehungsweise der Betriebstätte des antragstellenden ausländischen Unternehmens ein entsprechendes Gegenrecht gewährt.

Art. 152 MWSTV 2010: Gegenrecht (Art. 107 Abs. 1 Bst. b MWSTG 2010)

1 Gegenrecht gilt als gewährt, wenn:
a. Unternehmen mit Wohn-oder Geschäftssitz in der Schweiz im betreffenden ausländischen Staat für die auf dort bezogenen Leistungen bezahlte Mehrwertsteuer ein Vergütungsanspruch zusteht, der bezüglich Umfang und Einschränkungen dem Vorsteuerabzugsrecht entspricht, das im ausländischen Staat ansässige Unternehmen geniessen;
b. im betreffenden ausländischen Staat keine mit der schweizerischen Mehrwertsteuer vergleichbare Steuer erhoben wird; oder
c. im betreffenden ausländischen Staat eine andere Art von Umsatzsteuer als die schweizerische Mehrwertsteuer erhoben wird, die Unternehmen mit Wohn-oder Geschäftssitz im ausländischen Staat gleich belastet wie Unternehmen mit Wohn-oder Geschäftssitz in der Schweiz.

2 Die ESTV führt eine Liste mit den Staaten, mit denen nach Absatz 1 Buchstabe a eine Gegenrechtserklärung ausgetauscht wurde.

Art. 153 MWSTV 2010: Umfang der Steuervergütung (Art. 107 Abs. 1 Bst. b MWSTG 2010)

1 Die Steuervergütung für die im Inland bezahlte Mehrwertsteuer entspricht bezüglich Umfang und Einschränkungen dem Vorsteuerabzugsrecht nach den Artikeln 28–30 MWSTG.

2 Reisebüros und Organisatoren von Veranstaltungen mit Sitz im Ausland haben keinen Anspruch auf Vergütung der Steuern, die ihnen im Inland beim Bezug von Lieferungen und Dienstleistungen, die sie den Kunden und Kundinnen weiterfakturieren, in Rechnung gestellt worden sind.

3 Rückzahlbare Steuern werden nur vergütet, wenn deren Betrag in einem Kalenderjahr mindestens 500 Franken erreicht.
Art. 154 MWSTV 2010: Vergütungsperiode (Art. 107 Abs. 1 Bst. b MWSTG 2010)  

Der Vergütungsantrag ist innerhalb von sechs Monaten nach Ablauf des Kalenderjahrs zu stellen, in dem für die erbrachte Leistung eine den Anspruch auf Vergütung begründende Rechnung gestellt wurde.

Art. 155 MWSTV 2010: Verfahren (Art. 107 Abs. 1 Bst. b MWSTG 2010)

1 Der Antrag auf Steuervergütung ist mit den Originalrechnungen der Leistungserbringer und Leistungserbringerinnen beziehungsweise mit den Veranlagungsverfügungen der EZV an die ESTV zu richten. Die Originalrechnungen müssen die Anforderungen nach Artikel 26 Absatz 2 MWSTG erfüllen und auf den Namen des Antragsstellers oder der Antragstellerin lauten.

2 Für den Antrag ist das Formular der ESTV zu verwenden.

3 Der Antragsteller oder die Antragstellerin muss eine Vertretung mit Wohn- oder Geschäftssitz in der Schweiz bestellen.

4 Die auf Kassenzetteln ausgewiesene Steuer kann nicht rückerstattet werden.

5 Die ESTV kann weitere Angaben und Unterlagen verlangen.

Art. 156 MWSTV 2010: Vergütungszins (Art. 107 Abs. 1 Bst. b MWSTG 2010)

Wird die Steuervergütung später als 180 Tage nach Eintreffen des vollständigen Antrags bei der ESTV ausgezahlt, so wird für die Zeit vom 181. Tag bis zur Auszahlung ein vom EFD festzusetzender Vergütungszins ausgerichtet, sofern der entsprechende Staat Gegenrecht gewährt.

Gesetzesmaterialien (Botschaft und parlamentarische Beratung zu Art. 107 MWSTG 2010)


Rechtsprechung


Praxis der ESTV zu Art. 107 MWSTG 2010

Münz- und Feingold (Art. 44 und 61 MWSTV 2010)

Auszug aus MWST-Info 04 Steuerobjekt, S. 68 f.; für offizielle Version bitte auf Link klicken
 

"Steuerbefreite Leistungen

 

 

 

Von der Steuer befreit ist die Lieferung von:

  • Staatlich geprägten Goldmünzen der Zolltarifnummern 7118.9010 und 9705.0000;
  • Bankengold nach Artikel 178 Absatz 2 Buchstabe a und Absatz 3 der Edelmetallkontrollverordnung vom 8. Mai 1934 (SR 941.311);
  • Bankengold in Form von Granalien im Mindestfeingehalt von 995 Tausendsteln, die von einem anerkannten Prüfer-Schmelzer verpackt und versiegelt werden oder in einer anderen vom EFD akzeptierten Form im Mindestfeingehalt von 995 Tausendsteln;
  • Gold in Rohform (Naturzustand in Klumpen, Kristallen, Nuggets usw.) oder in Form von Halbzeug (Stäbe, Profile, Platten, Scheiben, Blätter, Drähte oder Bänder usw.), das zur Raffination oder Wiedergewinnung bestimmt ist;
  • Gold in Form von Abfällen (z.B. aus zahnärztlicher Behandlung oder aus Goldschmiedewerkstätten [Staub, Feilspäne, Späne vom Bohren und Drehen]) und Schrott (Gegenstände, die durch Zerbrechen, Zerschlagen oder Abnutzung für ihren ursprünglichen Zweck unbrauchbar geworden sind [z.B. alte Goldschmiedewaren])."

"Steuerbare Leistungen

Nicht von der Steuer befreit sind Lieferungen von Gegenständen aus Gold, die unmittelbar oder nach erfolgter Reparatur wieder für ihren ursprünglichen Zweck verwendbar sind oder die für andere Zwecke als zur Wiedergewinnung von Gold gebraucht werden. 
Steuerbar ist beispielsweise die Herstellung von oder der Handel mit:  
  • Halbzeug aus Gold für die Weiterverarbeitung (z.B. zu Schmuck);
  • Medaillen aus Gold;
  • Goldschmiedewaren oder Schmuckstücken;
  • Goldplättchen und Goldmünzen mit Ösen;
  • Nuggets (zum Sammeln)." 

"Edelmetallkonto

Ein Edelmetallkonto, das von einer Bank oder einer Scheideanstalt geführt wird, verschafft dem Kontoinhaber einen (obligatorischen) Lieferanspruch auf eine bestimmte Edelmetallmenge, d. h. ein Recht auf einen späteren Bezug. Im Zeitpunkt der Gutschrift auf dem Konto besteht jedoch noch kein (dinglicher) Eigentumsanspruch am Edelmetall. Die Übertragung der Rechte von einem Edelmetallkonto auf ein anderes sowie die Kontoführung und die Abwicklung der Transaktion durch die Bank sind von der Steuer ausgenommen. Verlangt der Kontoinhaber die Herausgabe des Edelmetalls, findet zu diesem Zeitpunkt eine Leistung statt." 

"Industriekonto

Beim sog. Industriekonto wird dem Kunden nach der Wiedergewinnung jene Menge Gold gutgeschrieben, die er zu einem früheren Zeitpunkt als Altgold eingeliefert hat. Bei der Lieferung von Altgold und dem Ausscheiden des Goldes wird von einer Umtausch-Werklieferung nach Artikel 24 Absatz 4 MWSTG ausgegangen.  Die Scheideanstalt bewahrt das Gold für jeden Kunden gesondert auf (Industriekonto). Eine dafür dem Kunden in Rechnung gestellte Gebühr unterliegt der MWST zum Normalsatz." 

"Deklaration von Münz- und Feingoldlieferungen in der MWST-Abrechnung

 Alle Entgelte für steuerbefreite Lieferungen von Münz- und Feingold sind im Zeitpunkt der Vereinbarung oder Vereinnahmung in der MWST-Abrechnung im Umsatz unter Ziffer 200 zu deklarieren.  Der Abzug für Lieferungen von Münz- und Feingold kann unter Ziffer 280 erfolgen, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. "
 

Erläuterungen zu Art. 44 MWSTV 2010 (Steuerbefreite Umsätze von Münz-und Feingold), welcher Art. 107 Abs. 2 MWSTG 2010 konkretisiert

Die bisherigen beiden Bestimmungen zum Münz-und Feingold in Artikel 36 und 37 MWSTGV 2001 wurden systematisch entsprechend ihrem Regelungsgehalt in die Verordnung eingeordnet. Die steuerbefreite Einfuhr findet sich somit bei der Einfuhrsteuer, die Regelung zum Vorsteuerabzug bei den übrigen entsprechenden Regelungen. Der Regelungsgehalt dieses Artikels wurde aus dem bisherigen Artikel 36 MWSTGV übernommen. Neu wurde jedoch ein Verweis auf die Edelmetallkontrollverordnung aufgenommen, welche eine Definition von Bankengold enthält. In der Praxis akzeptiert das EFD auch andere Formen als Barren und Granalien, was Buchstabe c ausdrücklich erwähnt. 

Erläuterungen zu Art. 61 MWSTV 2010 (Vorsteuerabzug bei Münz und Feingold), welcher Art. 107 Abs. 2 MWSTG 2010 konkretisiert

Diese Bestimmung entspricht Artikel 37 MWSTGV 2001.
 
Erläuterungen zu Art. 113 MWSTV 2010 (Befreiung von der Einfuhrsteuer), welcher Art. 53 Abs. 2 und 107 Abs. 2 MWSTG 2010 konkretisiert

 

Diese Bestimmung entspricht Artikel 19a MWSTGV 2001, welche im Zusammenhang mit der neuen Zollverordnung im Jahre 2006 vollständig überarbeitet wurde, so dass sie wörtlich aus der bisherigen Verordnung übernommen werden konnte. Ergänzt wurde die bisher in Artikel 36 MWSTGV geregelte steuerbefreite Einfuhr von Münz und Feingold. 

 

Diplomatische Vertretungen und internationale Organisationen (Art. 143 ff. MWSTV 2010)

Links auf MWST-Info 17 Leistungen an diplomatische Vertretungen und internationale Organisationen (für offizielle Version bitte hier auf Link klicken)  

Inhalt

  1.  Einleitung
  2.  Institutionelle Begünstigte (Art. 143 Abs. 2 MWSTV)
  3. 3  Begünstigte Personen (Art. 143 Abs. 3 MWSTV) 
    1. 3.1  Personen, die von der Steuerbefreiung profitieren
    2. 3.2  Personen, die nicht von der Steuerbefreiung profitieren 
  4.  Voraussetzungen (Art. 144, 145 und 150 MWSTV)
    1. 4.1  Grundsatz 
    2. 4.2  Telekommunikations- und elektronische Dienstleistungen, Lieferung von Wasser in Leitungen, Gas und Elektrizität 
    3. 4.3  Lieferungen von Treibstoffen 
    4. 4.4  Dauerschuldverhältnisse
    5. 4.5  Sammelrechnungen
    6. 4.6  Vorauszahlungen, Reservationen
    7. 4.7  Gebrauchte individualisierbare bewegliche Gegenstände, Sonderverkäufe
    8. 4.8  Ausweis der MWST
    9. 4.9  Optionen 
      1. 4.9.1  Option im Bereich der Immobilien (Art. 150 MWSTV) 
      2. 4.9.2  Andere Optionen 
  5.  Vorgehen bei der steuerpflichtigen Person
  6.  Nachweise für die Steuerbefreiung 
    1. 6.1  Formulare 
    2. 6.2  Legitimationskarte und Ausländerausweis 
  7. 7  Rückerstattung der MWST durch die ESTV (Art. 146 MWSTV)
  8. 8 Anhang I: Form. A (Nr. 1070)
  9. 9 Anhang II: Form. AA (Nr. 1076)
  10. 10 Anhang III: Form. A/OI (Nr. 1078), (nur internationale Organisationen)
  11. 11 Anhang IV: Form. B (Nr. 1079)
  12. 12 Anhang V: Form. BB (Nr. 1077)

Auszug aus MWST-Info 04 Steuerobjekt, S. 68; für offizielle Version bitte auf Link klicken

"Leistungen an diplomatische Vertretungen und internationale Organisationen

Leistungen an diplomatische Missionen, ständige Missionen, konsularische Posten und internationale Organisationen (institutionelle Begünstigte) sowie
an bestimmte Kategorien von Personen, wie diplomatische Vertreter, Konsularbeamte und hohe Beamte internationaler Organisationen
(begünstigte Personen) sind an der Quelle von der MWST befreit (Entlastung von der Mehrwertsteuer).
 
→ Weitere Informationen zu diesem Thema können der MWST-Info Leistungen an diplomatische Vertretungen und internationale Organisationen entnommen werden."
  
Erläuterung u.a. zu Art. 107 Abs. 1 lit. a MWSTG 2010
 

Entlastung von der Mehrwertsteuer für Begünstigte, die gemäss GSG von der Mehrwertsteuer befreit sind

 

Die Artikel 143–150 MWSTV 2010 entsprechen den bisherigen Artikeln 20–27a MWSTV 2001. Angepasst wurden einzige die Verweise. Diese Bestimmungen wurden im Rahmen des Erlasses der Gaststaatverordnung vom 7. Dezember 2007 (GSG) vollständig überarbeitet und sind seit 1. Januar 2008 in Kraft. Die Artikel 143–150 stützen sich auf Artikel 107 Absatz 1 Buchstabe a MWSTG, welcher dieselbe Delegationsnorm enthält, wie sie im bisherigen Recht gestützt auf das GSG in Artikel 90 Absatz 2 Buchstaben a per 1. Januar 2008 eingefügt wurde. 

 
Absatz 1 legt den Kreis der Vergütungsberechtigten fest. Dazu gehört auch, dass die Sitzstaaten der Anspruchberechtigten gegenüber der Schweiz Gegenrecht gewähren. Deshalb wurde diese Voraussetzung, die bisher in Absatz 3 genannt war, den anderen Voraussetzungen von Absatz 1 angefügt (Absatz 1 Buchstabe e). 
 
Absatz 2: Grundsätzlich ist das Vergütungsverfahren nicht anwendbar, wenn der Antragsteller oder die Antragstellerin im Inland Lieferungen oder Dienstleistungen erbringt. Ausnahmen bestehen einzig dann, wenn der Antragsteller oder die Antragstellerin gemäss Artikel 23 Absatz 2 Ziffern 5, 6 und 7 MWSTG von der Steuer befreite Beförderungen ausführt oder Dienstleistungen erbringt, für welche nach Artikel 45 Absatz 1 Buchstabe a MWSTG der Empfänger oder die Empfängerin die Bezugsteuer entrichtet hat. Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden und keine ungewollten Anreize zu schaffen, wurde auf eine Ausweitung der Ausnahme auf das Erbringen von Lieferungen nach Artikel 45 Absatz 1 Buchstabe c MWSTG verzichtet. 

Vergütungsverfahren (Art. 151 ff. MWSTV 2010)

Links auf MWST-Info 18 Vergütungsverfahren (für offizielle Version bitte hier auf Link klicken) 
 

Inhalt

  1. Voraussetzungen für die Vergütung
    1. 1.1  Wohn-, Geschäftssitz oder Betriebsstätte im Ausland 
    2. 1.2  Keine Steuerpflicht im Inland 
    3. 1.3  Keine Leistungserbringung im Inland 
      1. 1.3.1  Der Anspruch auf Steuervergütung bleibt gewahrt 
    4. 1.4  Bescheinigung der Unternehmereigenschaft durch die ausländische Steuerbehörde 
    5. 1.5  Antragsteller mit Sitz in den USA (Spezialfall)
    6. 1.6  Gegenrecht des jeweiligen Sitzstaates 
  2.  Umfang und Einschränkungen der Steuervergütung 
    1. 2.1  Eingeschränkte Steuervergütung 
      1. 2.1.1  Leistungen für eine unternehmerische Tätigkeit mit und ohne Vorsteuerabzugsrecht sowie eine nicht-unternehmerische Tätigkeit 
      2. 2.1.2  Im Inland genutzte Personenfahrzeuge von ausländischen Unternehmen 
    2. 2.2  Ausschluss der Steuervergütung 
      1. 2.2.1  Ausgenommene Leistungen durch Antragssteller 
      2. 2.2.2  Nicht unternehmerische Tätigkeit des Antragsstellers 
      3. 2.2.3  Privat und unternehmerisch nicht begründete Ausgaben
    3. 2.3  Leistungen, auf welchen irrtümlicherweise MWST erhoben wurde
    4. 2.4  Reisebüros oder ähnliche Unternehmen 
    5. 2.5  Mindestbetrag der Steuervergütung 
  3.  Vergütungsperiode und Fristen 
    1. 3.1  Vergütungsperiode 
    2. 3.2  Einreichefrist 
    3. 3.3  Voraus- und Akontozahlungen 
  4.  Formelle Voraussetzungen und Verfahren 
    1. 4.1  Originalrechnungen und Veranlagungsverfügungen 
      1. 4.1.1  Anforderungen an die Originalrechnungen und Veranlagungsverfügungen der EZV 
      2. 4.1.2  Rechnungsstellung in Fremdwährung 
    2. 4.2  Offizielle Formulare 
    3. 4.3  Anschrift
    4. 4.4  Steuervertreter in der Schweiz 
  5. 5  Vergütungszins
  6.  Besonderes 
    1. 6.1  Zahlungsnachweise 
    2. 6.2  Elektronische Rechnung (E-Rechnung)
    3. 6.3  Auszahlung der Vergütung 
    4. 6.4  Steuerliche Behandlung von Leistungen aus dem Fürstentum Liechtenstein 
    5. 6.5  Auskunftspflicht 
  7.  Schematische Übersicht
  8. Anhang I: Formular Nr. 1222
  9. Anhang II: Formular Nr. 1223

Erläuterungen zu Art. 153 MWSTV 2010 (Umfang der Steuervergütung), welcher Art. 107 Abs. 1 Bst. b MWSTG 2010 konkretisiert

Absatz 1 ersetzt die bisher geltenden Absätze 1–3 des Artikels 29 MWSTGV 2001. Das Vorsteuervergütungsverfahren schafft die Möglichkeit, Unternehmen mit Wohn- oder Geschäftssitz im Ausland die Steuer auf den an sie im Inland erbrachten Lieferungen und Dienstleistungen zu vergüten. Es tritt an die Stelle des Vorsteuerabzugs. Um sicherzustellen, dass für die Gewährung der Steuervergütung für Unternehmen mit Wohn-oder Geschäftssitz im Ausland die gleichen Voraussetzungen und Einschränkungen gelten wie für den Vorsteuerabzug, wird auf das Vorsteuerabzugsrecht nach den Artikeln 28–30 MWSTG 2010 verwiesen. Mit dem Unterlassen von Wiederholungen der Regelungen im Gesetz sollen Lücken vermieden werden. 

Absätze 2 und 3 entsprechen den bisherigen Absätzen 4 und 5 von Artikel 29 MWSTGV 2001. Absatz 2 wurde um Organisatoren von Veranstaltungen ergänzt, da diese in  Artikel 8 Absatz 2 Buchstabe b MWSTG  2010 ebenfalls zusammen mit den Reisebüros genannt werden. 
 
Erläuterungen zu Art. 154 MWSTV 2010 (Vergütungsperiode), welcher Art. 107 Abs. 1 Bst. b MWSTG 2010 konkretisiert
 
Dieser Artikel entspricht dem bisherigen Artikel 30 MWSTGV 2001.  
 
Erläuterungen zu Art. 155 MWSTV 2010 (Verfahren), welcher Art. 107 Abs. 1 Bst. b MWSTG 2010 konkretisiert
Absatz 1 baut auf dem bisherigen Artikel 31 Absatz 1 MWSTGV 2001 auf. Ergänzt wurde er mit Regelungen aus der Praxis, welche neu auf Stufe Verordnung festgeschrieben werden. Es wird nicht mehr von Anträgen, sondern vom Antrag gesprochen, weil gemäss bisheriger Praxis nur ein Antrag auf Steuervergütung im Kalenderjahr möglich war und dies so weitergeführt wird. 
 
Absatz 2 nennt als Voraussetzung für das Eintreten auf einen Vergütungsantrag, dass ein vollständig ausgefülltes Formular vorliegen muss und stellt somit klar, dass das blosse Einsenden von Belegen nicht ausreichend ist. 
 
Absatz 3 entspricht dem bisherigen Absatz 2 des Artikels 31 MWSTGV 2001. 
 
Absatz 4 stellt klar, dass wie bis anhin Kassenzettel für das Vergütungsverfahren nicht ausreichend sind. 
 
Erläuterungen zu Art. 156 MWSTV 2010 (Vergütungszins), welcher Art. 107 Abs. 1 Bst. b MWSTG 2010 konkretisiert

Dieser Artikel ist neu. Entsprechend der EU-Regelung wurde die Frist auf 180 Tage verlängert. Eine Verzinsung wird künftig davon abhängig gemacht, ob der entsprechende Staat Gegenrecht gewährt. Im Moment sehen lediglich Belgien, Italien und Spanien eine Verzinsung vor. 

Dieser Artikel ist neu. Absatz 1 schreibt die bisher geltende Praxis auf Stufe Verordnung fest. 
 
Absatz 2 informiert die Gesuchsteller über das Bestehen einer Liste der Staaten, mit welchen eine Gegenrechtserklärung ausgetauscht wurde. Eine solche Liste wurde auch bis anhin geführt.   

Literatur zu Art. 107 MWSTG 2010


Rechtsvergleich (EU MWST Richtlinie 2006/112/EG)


Varia zu Art. 107 MWSTG 2010